Knochenbrüche sind schmerzhaft und unangenehm – doch ein besonderer Bruch tritt schnell auf und hat besonders für ältere Menschen schwerwiegende Folgen: Der Oberschenkelhalsbruch. Dabei ist nicht nur die eigentliche Verletzung eine Belastung. Vor allem der längere Krankheitsverlauf, die aus der Verletzung resultierenden Einschränkungen und der zeitaufwändige Verlauf bringen die Patienten immer wieder an ihre Grenzen.

Was ist ein Oberschenkelhalsbruch?

Der menschliche Oberschenkel besteht aus vier Bestandteilen. Diese sind das Kniegelenk, der Schaft des Oberschenkels, der Oberschenkelhals und der Kopf, wobei Letzterer zusammen mit dem Beckenknochen das Hüftgelenk bildet. Bei einer Oberschenkelhalsfraktur, auch Oberschenkelhalsbruch genannt, ist der Knochen direkt im Übergang vom Hüftkopf zum Schaft des Oberschenkels gebrochen. In der Folge kann das Bein das Gewicht des Körpers nicht mehr tragen. Der Patient ist bei einer Oberschenkelfraktur nicht mehr in der Lage, sich eigenständig fortzubewegen. Aus diesem Grund muss die Fraktur so schnell wie möglich operiert werden. Oberschenkelhalsfrakturen sind eher bei älteren Menschen typisch, das Risiko für eine solche Verletzung erhöht sich ab einem Alter von 70 Jahren. Frauen erleiden dabei etwa dreimal so häufig einen Oberschenkelhalsbruch wie Männer.

Eine Oberschenkelhaslfraktur – vor und nach der Behandlung mit Kompressionsschrauben
Ein unscheinbarer Bruch, der häufig einen Eingriff erfordert – häufig werden Oberschenkelhalsfrakturen operativ z.B. durch medizinische Schrauben therapiert.

Ein kleiner Sturz – und schon ist es passiert?

Der häufigste Grund für eine Oberschenkelhalsfraktur ist ein schwerer Sturz auf das Hüftgelenk. Darüber hinaus erhöht sich das Risiko für eine solche Fraktur, wenn zusätzlich eine Osteoporose vorliegt. Eine Osteoporose ist eine Erkrankung des Knochenstoffwechsels, in dessen Folge die Knochen dünner und poröser werden, was diese Anfälliger für Knochenbrüche macht. Osteoporosen sind eine typische Alterserkrankung, weshalb die Knochen älterer Menschen leichter brechen als die junger Menschen. Hinzu kommt, dass viele Menschen in einem Alter von über 70 Jahren unter Gehschwierigkeiten, Schwindelgefühlen, Schwäche oder schlechter Sicht leiden. Alle diese Faktoren erhöhen das Risiko für einen Sturz, der einen Oberschenkelhalsbruch nach sich ziehen kann. In seltenen Fällen kann die Verletzung auch schleichend entstehen. Dies ist bei schweren Fällen von Osteoporose, die umgangssprachlich auch als Knochenschwund bekannt, der Fall. Darüber hinaus können auch Knochenmetastasen oder brüchige Knochen infolge einer Fehl- oder Mangelernährung zu einem schleichenden Knochenbruch führen. Auch junge Menschen können einen Bruch des Oberschenkelhalses erleiden. In diesem Fall ist eine starke Gewalteinwirkung von außen notwendig, um einen Knochenbruch zu verursachen. Dies ist beispielsweise bei schweren Unfällen der Fall.

Laterale oder mediale Fraktur?

Grundsätzlich unterscheiden Mediziner zwischen einer lateralen und medialen Form der Oberschenkelhalsfraktur. Bei einer medialen Schenkelfraktur geht der Bruch durch die Gelenkkapsel hindurch. Diese Form ist die häufigste Form der Oberschenkelfraktur. In 80 % bis 90 % der Fälle handelt es sich dabei um eine Adduktionsfraktur, bei der die einzelnen Bruchteile des Knochens verschoben sind und in der Behandlung operativ wieder zusammenzufügen sind. Nur in etwa 10 % aller Fälle ist der Bruch so stabil, dass die Verletzung auch ohne Operation behandelt werden könnte. Laterale Frakturen, bei denen der Bruch nicht durch die Gelenkkapsel hindurchgeht, sind eher selten.

Wie äußert sich ein Oberschenkelhalsbruch?

Typischerweise äußert sich der Bruch in einer sofortigen Unbeweglichkeit des Patienten. Dieser kann sein Bein infolge des Bruches weder belasten noch bewegen. Für außenstehende erscheint das betroffene Bein darüber hinaus oft nach außen verdreht und im Vergleich zum anderen Bein verdreht. Eine Oberschenkelfraktur ist für die betroffene Person mit starken Schmerzen verbunden. Als Begleiterscheinung des Knochenbruches können Blutergüsse und Prellungen vorhanden sein. Bei Fissuren (inkompletten Brüchen) oder schleichend entstehenden Oberschenkelhalsfrakturen sind die Symptome weniger eindeutig, da die betroffene Person das Bein in diesem Fall teilweise noch belasten kann. In diesen Fällen kann es einige Tage dauern, bis die betroffene Person den Bruch als solchen erkennt. Bei uneindeutigen Brüchen im Bereich des Oberschenkels treten bei Belastung Schmerzen im Bereich der Hüfte oder der Leiste auf, die im Laufe der Zeit zunehmen. Ein Arzt erkennt eine Oberschenkelhalsfraktur üblicherweise bei einer Ultraschalluntersuchung des Beckens und der Hüfte. Wenn der Befund des Ultraschalls unauffällig sind, der Patient aber trotzdem starke Schmerzen im Bereich der Hüfte hat, führt der behandelnde Arzt eine Magnetresonanztomografie des Hüftgelenks durch. Mit dieser Methode erkennt der Arzt auch inkomplette Brüche und Ermüdungsbrüche. Bei der Untersuchung auf eine Verletzung des Oberschenkelhalsknochens wird gleichzeitig auch immer eine Osteoporose-Diagnostik erstellt. Manchmal kann eine Oberschenkelhalsfraktur auch durch einen Tumor im Oberschenkel ausgelöst werden. Dies kann durch eine sogenannte Skelett-Szintigrafie geprüft werden. Bei dieser spritzt der Arzt eine markierte Substanz in die Vene des Patienten, die sich anschließend im Knochen absetzt. Mit dieser Methode kann der Arzt erkennen, ob ein Tumor oder Knochenmetastasen vorliegen. Teilweise muss hierbei für mehr Klarheit auch eine kleine Gewebeprobe des Patienten entnommen werden.

Diagnostik und Therapie eines Oberschenkelhalsbruches

In den meisten Fällen muss ein Oberschenkelhalsbruch mit einer Operation behandelt werden. Leichtere Frakturen des Oberschenkelhalsknochens, bei denen der Knochen lediglich eingestaucht ist, können allerdings auch auf konservative Weise behandelt werden. Der Oberschenkelknochen ist der längste Knochen im Körper und bildet gemeinsam mit dem Beckenknochen das Hüftgelenk. Damit die Hüfte also nicht nachhaltig geschädigt wird, muss der Bruch schnell behandelt werden, idealerweise innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Verletzung. Geschieht das nicht, kann der Hüftkopf aufgrund der zu lange ausbleibenden Durchblutung absterben. Dieses Sterben des Hüftkopfes wird medizinisch als Hüftkopfnekrose bezeichnet. Oft haben insbesondere ältere Patienten nach der Operation Schwierigkeiten, ihren Alltag alleine zu meistern. Infolge des Bruches sind sie in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt und schwach auf den Beinen. In der Behandlung des Oberschenkelhalsbruchs ist es deshalb wichtig, dass der Patient das betroffene Bein so schnell wie möglich wieder einsetzen kann, um den Verlust von Muskeln in den Beinen zu vermindern.

Wenn der Patient keine starken Schmerzen hat und der Bruch nicht unbedingt eine Operation erfordert, kann die Verletzung auch konservativ, also ohne eine Operation behandelt werden. Bei dieser wird das Bein entlastet und stabilisiert. Im Verlauf der Behandlung hilft Krankengymnastik dabei, die Beweglichkeit des Beines wiederherzustellen und Muskeln aufzubauen. Allerdings ist eine konservative Behandlung des Bruches nur in seltenen Fällen vollständig möglich. Oftmals muss der Knochen während der Behandlung verschoben werden, etwa um die Durchblutung des Hüftkopfes sicherzustellen.

Knochen erhalten oder ersetzen?

Bei der Operativen Behandlung der Fraktur unterscheidet man zwischen Operationen mit hüfterhaltenden und Operationen mit hüftersetzenden Maßnahmen. Welche Art der Operation angewendet wird, ist abhängig von der Lage des Bruches und von dem Alter und dem körperlichen Zustand des Patienten. Grundsätzlich wird bei älteren Patienten eher das Hüftgelenk ausgetauscht, während sich hüfterhaltende Operationen eher für jüngere Patienten anbieten. Bei einer hüftersetzenden Operation wird das natürliche Hüftgelenk durch eine Endoprothese, also einen künstlichen Gelenkersatz ausgetauscht. Teilweise muss infolge der Verletzung zusätzlich auch die Gelenkpfanne ausgetauscht werden, in diesem Fall spricht man von einem künstlichen Hüftgelenk oder auch einer Totalendoprothese. Patienten, denen ein neues Hüftgelenk eingesetzt wird, erholen sich schneller von dem Eingriff und können bereits wenige Tage nach dem Eingriff mit der Krankengymnastik beginnen. Bei hüfterhaltenden Operationen wird der Knochen mit Platten, Schrauben oder Nägeln zusammengeführt und stabilisiert. Vorteil ist, dass dem Patienten das eigene Hüftgelenk erhalten bleibt.

Operative Versorgung – meist eher unkompliziert

Bei Operationen infolge einer Oberschenkelhalsfraktur kommt es selten zu Kompilationen. Dies gilt sowohl für hüfterhaltende und hüftersetzende Operationen. Auftreten können Nachblutungen und Wundheilungsstörungen. Auch steigt mit jeder Verletzung oder Operation der Hüfte das Risiko für Blutgerinnsel in den Beinen. Die Heilungschancen nach der Verletzung hängen vom Allgemeinzustand des Patienten und von der Art des Bruches ab. Besonders bei älteren Menschen besteht das Problem, dass diese nach der Fraktur ihre Mobilität nicht oder nur eingeschränkt wiedererlangen, aus diesem Grund ist eine schnelle Behandlung, die auf den Patienten angepasst ist besonders wichtig.

Oberschenkelhalsfrakturen vermeiden

Einer solchen schwerwiegenden Oberschenkelverletzung kann vorgebeugt werden, indem Erkrankungen, die das Risiko für Stürze erhöhen frühzeitig behandelt werden. Dazu gehören unter anderem Diabetes, Grauer Star und weitere Seherkrankungen sowie Herz- und Kreislauferkrankungen. Darüber hinaus kann das Risiko für eine Osteoporose durch eine kalziumreiche Ernährung und regelmäßige Bewegung reduziert werden. Um eine Osteoporose frühzeitig behandeln zu können, sollte darüber hinaus regelmäßig eine Knochendichtemessung durchgeführt werden.

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