Was abends bereitliegt, spart morgens beim Kompressionsstrümpfe anziehen den Weg durchs Schlafzimmer. Dann sitzt der Strumpf, bevor die Beine anschwellen.
Ein Kompressionsstrumpf sitzt absichtlich eng, und deshalb wird der Griff zum Strumpf morgens für viele Menschen zur Kraftprobe. Kompressionsstrümpfe anziehen lässt sich aber lernen, und ein paar Handgriffe nehmen viel von der Mühe. Wenn die Finger nicht mehr fest zupacken oder der Rücken die Beugung zum Fuß nicht mehr mitmacht, haben Sie nichts falsch gemacht. Für diesen Fall gibt es Hilfsmittel. Wenn auch die nicht reichen, kann in bestimmten Fällen ein Pflegedienst übernehmen.
Auf einen Blick
- Am leichtesten gelingt das Anziehen direkt nach dem Aufstehen oder noch davor.
- Handschuhe mit Noppen geben Halt und schonen das Gewebe.
- Eine Anziehhilfe kann die gesetzliche Krankenkasse übernehmen, die Zuzahlung liegt bei 5 bis 10 Euro.
- Bei starken Einschränkungen kann der Pflegedienst helfen, dafür braucht es eine ärztliche Verordnung.
Kompressionsstrümpfe anziehen gelingt morgens am leichtesten
Über den Tag schwellen die Beine an, und jeder Zentimeter mehr Umfang macht den Strumpf widerspenstiger. Legen Sie die Strümpfe deshalb direkt nach dem Aufstehen an, noch besser schon davor, solange die Beine noch nicht geschwollen sind.
Das klappt besser, wenn alles griffbereit liegt. Legen Sie Strümpfe und Handschuhe abends neben das Bett oder auf einen Stuhl. Setzen Sie sich zum Anziehen hin, zum Beispiel auf einen festen Stuhl mit Lehne. So müssen Sie nicht auf einem Bein balancieren, wenn der Strumpf einmal klemmt. Planen Sie am Anfang lieber ein paar Minuten mehr ein, denn in der Eile rutscht der Griff schneller ab.
Trockene Haut und kurze Nägel schonen den Strumpf
Das Gestrick mag weder feuchte Haut noch scharfe Kanten. Waschen Sie die Beine vorher und trocknen Sie sie gut ab. Auf feuchter Haut bleibt der Strumpf hängen. Auf Creme verzichten Sie morgens besser. Wenn Ihre Haut Pflege braucht, fragen Sie in der Praxis oder im Sanitätshaus, wann und womit Sie sie am besten eincremen.
Schneiden und feilen Sie außerdem Zehennägel und Fingernägel, und nehmen Sie Ringe vor dem Anziehen ab. So vermeiden Sie Laufmaschen im festen Gestrick.
Mit diesen Handgriffen rutscht der Strumpf über den Fuß
Versuchen Sie nicht, den Strumpf im Ganzen hochzuziehen. In Etappen geht es leichter.
- Handschuhe anziehen Handschuhe mit Noppen oder gummierte Haushaltshandschuhe geben Halt am festen Gestrick. Sie schützen es zugleich vor Fingernägeln und Schmuck.
- Strumpf umstülpen Greifen Sie in den Strumpf bis zur Ferse und ziehen Sie den Schaft nach außen, sodass der Fußteil eine kleine Tasche bildet.
- Fuß hineinschieben Schieben Sie die Zehen in die Tasche und ziehen Sie den Strumpf langsam über den Fuß, bis die Ferse an ihrem Platz sitzt.
- Schaft hochstreifen Streifen Sie den Strumpf Stück für Stück über Knöchel und Wade nach oben. Arbeiten Sie sich mit den flachen Händen voran und zerren Sie nicht am oberen Rand.
- Falten ausstreichen Streichen Sie am Schluss alle Falten glatt, denn stehen gebliebene Falten können drücken. Schlagen Sie den oberen Rand nicht um, weil er sonst einschnürt.
Abends gehen Sie den umgekehrten Weg. Klappen Sie den oberen Rand ein Stück nach unten und schieben Sie den Strumpf gleichmäßig bis zum Knöchel, ohne ruckartig zu ziehen. Danach ziehen Sie ihn über Ferse und Fuß ab. Auch dabei helfen die Handschuhe. Wie lange Sie die Strümpfe am Tag tragen sollen, legt Ihre Arztpraxis fest.
Vier Stufen helfen, wenn Kraft oder Beweglichkeit fehlen
Viele Anleitungen hören bei den Handgriffen auf. Sie setzen voraus, dass Sie sich bis zum Fuß beugen und fest zupacken können. Wenn das nicht mehr geht, hilft diese Reihenfolge.
Die erste Stufe ist die Einweisung. Das Sanitätshaus oder die andere Stelle, die Ihnen die Strümpfe abgibt, soll das richtige An- und Ablegen mit Ihnen üben und bei Bedarf auch auf An- und Ausziehhilfen hinweisen. Bitten Sie ruhig darum, wenn es beim ersten Termin zu schnell ging. Falls Angehörige Ihnen später helfen sollen, nehmen Sie sie am besten mit.
Die zweite Stufe sind kleine Helfer. Neben Handschuhen mit Noppen erleichtern auch Feinstrumpfsocken den Einstieg. Seidige Schlüpfhilfen sind kein eigenes Kassen-Hilfsmittel, gehören aber zur verwendungsfertigen Abgabe des Strumpfes. Fragen Sie danach, wenn Sie keine bekommen haben.
Die dritte Stufe ist die Anziehhilfe. Bei einer Bauart wird der Strumpf über einen Metallbügel auf einer Grundplatte gezogen und vorgedehnt, sodass Sie mit dem Fuß hineinsteigen. Andere Modelle bestehen aus einem Kunststoffrahmen mit zwei langen Griffen. Dazu kommen Gleithilfen, die den Kraftaufwand und die Reibung auf der Haut verringern sollen. Im Sanitätshaus können Sie ausprobieren, womit Sie zurechtkommen. Das ist wichtig, denn die Anziehhilfe soll Ihnen ermöglichen, die Strümpfe selbstständig an- und auszuziehen.
Das Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen nennt als Grund unter anderem eingeschränkte Arme oder Hände und Kraftminderung. Auch eine eingeschränkte Rumpfbeugung zählt dazu, etwa bei versteifter Hüfte oder einem steifen Knie. Fragen Sie vorab bei Ihrer Krankenkasse, ob sie ein Rezept verlangt oder die Versorgung genehmigen muss. Das Gesetz lässt ihr dabei Spielraum. Erwachsene zahlen 10 Prozent des Abgabepreises zu, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, aber nie mehr, als das Hilfsmittel kostet.
Die vierte Stufe ist der Pflegedienst. Das An- oder Ausziehen ärztlich verordneter Kompressionsstrümpfe ist eine Leistung der häuslichen Krankenpflege, jeweils einmal täglich. Die Hürden sind höher als bei der Anziehhilfe: Verordnet werden kann die Hilfe etwa dann, wenn Arme und Hände stark eingeschränkt sind, die Körperkraft sehr gering ist oder die geistige Leistungsfähigkeit stark nachgelassen hat. Das muss auf der Verordnung stehen, und zuvor soll geprüft werden, ob eine Anziehhilfe infrage kommt. Sprechen Sie Ihre Hausarztpraxis offen darauf an, wenn Sie trotz Hilfsmittel nicht zurechtkommen. Die gesetzliche Zuzahlung beträgt hier 10 Prozent der Kosten und 10 Euro je Verordnung, begrenzt auf die ersten 28 Tage im Kalenderjahr. Den Betrag für Ihren Fall nennt Ihnen die Krankenkasse.
Richtig gewaschen halten die Strümpfe länger
Kompressionsstrümpfe gehören täglich gewechselt und gewaschen, in der Regel bei 30 bis 40 Grad im Feinwaschgang. Beachten Sie zusätzlich das Etikett, denn die Angaben unterscheiden sich je nach Hersteller. Das Waschen stellt die Elastizität der Fasern wieder her, deshalb sitzt ein frisch gewaschener Strumpf wieder besser.

Ein Wäschenetz schützt das Material. Nehmen Sie Waschmittel, aber keinen Weichspüler, denn der verschließt die Poren des Gewebes. Von Hand im Waschbecken geht es auch, solange Sie das Gestrick nicht reiben. Allerdings reinigt das kühlere Wasser weniger gründlich.
Zum Trocknen wickeln Sie die nassen Strümpfe in ein Handtuch, das zieht viel Wasser heraus. Danach trocknen sie an der Luft, nie in der Sonne und nie auf der Heizung. In den Trockner dürfen sie nur im Schongang, und bügeln sollten Sie sie gar nicht.
Bei regelmäßigem Tragen liegt die Mindesthaltbarkeit in der Regel bei sechs Monaten. Haben sich Ihre Beine in dieser Zeit deutlich verändert, etwa durch ein anderes Gewicht, kann eine neue Versorgung auch früher begründet sein. Lassen Sie dann im Sanitätshaus neu messen.
Wann zum Arzt?
Sprechen Sie mit Ihrer Arztpraxis, wenn einer dieser Punkte zutrifft. Durchhalten hilft dabei nicht.
- Der Strumpf schneidet ein oder rutscht.
- Beim Tragen haben Sie Schmerzen.
- Es entstehen Druckstellen oder Einschnürungen.
- Das Bein fühlt sich im Strumpf taub an.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.
Hilfe anzunehmen gehört zur Routine dazu
Das Gespräch über eine Anziehhilfe kann sich anfühlen wie ein Eingeständnis. Dabei geht es um etwas sehr Praktisches: um einen Morgen, der nicht mit einem Kampf beginnt. Ob Sie mit Handschuhen zurechtkommen, ein Gestell brauchen oder jeden Morgen jemand vorbeikommt, entscheidet allein das, was bei Ihnen gut funktioniert.
Wann sollte ich Kompressionsstrümpfe anziehen?
Direkt nach dem Aufstehen oder noch davor. Dann sind die Beine noch nicht geschwollen, und der Strumpf gleitet leichter.
Darf ich mich vor dem Anziehen eincremen?
Morgens besser nicht. Die Haut sollte gewaschen und trocken sein. Fragen Sie in der Praxis oder im Sanitätshaus, wann und womit Sie sie am besten pflegen.
Zahlt die Krankenkasse eine Anziehhilfe?
Das ist möglich, zum Beispiel wenn Ihre Hände eingeschränkt sind oder Sie sich nicht mehr zum Fuß beugen können. Erwachsene zahlen 5 bis 10 Euro zu. Fragen Sie Ihre Kasse vorab, ob sie ein Rezept verlangt.
Kann der Pflegedienst meine Kompressionsstrümpfe anziehen?
Ja, wenn die Strümpfe ärztlich verordnet sind und Sie es wegen starker Einschränkungen nicht selbst schaffen. Das muss auf der Verordnung stehen.
Wie oft muss ich Kompressionsstrümpfe waschen?
Täglich, in der Regel bei 30 bis 40 Grad im Feinwaschgang und ohne Weichspüler. Beachten Sie zusätzlich das Etikett.
Gelten die Handgriffe auch für Stützstrümpfe?
Ja, umstülpen und Stück für Stück hochstreifen hilft auch dort. Die Regeln zur Krankenkasse in diesem Beitrag beziehen sich aber auf ärztlich verordnete medizinische Kompressionsstrümpfe.
Quellen
- GKV-Spitzenverband, 2025: Hilfsmittelverzeichnis, Produktgruppe 17 (Kompressionstherapie)
- GKV-Spitzenverband, 2023: Hilfsmittelverzeichnis, Produktgruppe 02 (Adaptionshilfen)
- Gemeinsamer Bundesausschuss, 2025: Häusliche-Krankenpflege-Richtlinie, Nr. 31b
- Universitätsklinikum Heidelberg, Projekt UlcusCrurisCare: Patienteninformation zum Umgang mit Kompressionsmitteln
- Sozialgesetzbuch V: § 33 Hilfsmittel
- Sozialgesetzbuch V: § 37 Häusliche Krankenpflege
- Sozialgesetzbuch V: § 61 Zuzahlungen
Fotos: Textnetz, Generiert mit KI















0 Kommentare