Lärmbelästigung – Nur durch laute Nachbarn?


Was Menschen als Lärm empfinden, ist ganz individuell. Die eigene Musik oder die eigenen Kinder können an manchen Tagen extrem laut sein, ohne dass Sie sich davon gestört fühlen. An anderen Tagen reichen schon laute Nachbarn, die Musik hören oder durch das Treppenhaus rennen, um Sie aus der Ruhe zu bringen. Es gibt aber auch Lärmbelästigungen, die von so gut wie allen Menschen als auffallend negativ bewertet werden. Dazu zählen unter anderem Baustellen in der eigenen Straße, der ständig bellende Hund des Nachbarn oder schreiende Kinder, Renovierungsarbeiten am oder im Haus oder konstante Geräusche wie ein lauter Kühlschrank und summende Lichtquellen in der Wohnung. Genauso schlimm ist die Ruhestörung durch unbewusst laute Nachbarn, die zum Beispiel einfach kein Gefühl für Zimmerlautstärke besitzen. Ruhestörungen sind nicht nur anstrengend oder kosten Nerven, sie können tatsächlich auch gesundheitliche Folgen haben.

So wirkt sich Ruhestörung negativ auf Ihre Gesundheit aus


Rund um die Uhr laute Nachbarn, Baulärm von 8 bis 18 Uhr oder Störquellen in der eigenen Wohnung führen oft zu chronischen Beschwerden, die Sie normalerweise überhaupt nicht mit Lärmbelästigungen in Zusammenhang bringen würden. Bei folgenden Beschwerden sollten Sie über Lärmbelästigung in Ihrem Umfeld nachdenken:

• Konzentrationsprobleme

Bei ständiger Belastung der Ohren ist auch das Gehirn konstant gefordert. Denn es muss pausenlos die empfangenen Geräusche verarbeiten oder lernen, diese teilweise auszublenden. Da fällt es oft schwer, die volle Konzentration auf etwas zu lenken, dass eigentlich gewissenhaft erledigt werden sollte. Oft führt mangelnde Konzentration dazu, dass vielen Aufgaben und Pflichten nicht mehr nachgegangen werden kann.

• Bluthochdruck

Der Körper schüttet bei andauernden Belastungen zunehmend Stresshormone aus, die den Kreislauf ankurbeln. In der Evolution war das wichtig, um bei Gefahren schnell fliehen zu können. Heutzutage führt es jedoch zu unnötigem (und schädlichem) Bluthochdruck – denn laute Nachbarn stellen keine Gefahr dar, vor der Sie in diesem Sinn flüchten müssten.

• Kreislauferkrankungen

Die erwähnten Stresshormone führen nicht nur zu erhöhtem Blutdruck, sondern können auch Herz- und Kreislaufprobleme verursachen. Die Folgen können dann sogar ein Herzinfarkt oder Schlaganfall sein, wenn die Belastungen anhaltend und besonders schwerwiegend sind. Durch ständigem Stress gerät der gesamte Organismus durcheinander. Vor allem verhindern die ausgeschütteten Stresshormone die wichtigen Erholungsphasen für Ihren Körper.


• Lernstörungen

Um Neues erlernen zu können und aufnahmefähigkeit zu sein, benötigt das Gehirn ausreichend Ruhe und Konzentration. Eine andauernde Lärmbelästigung überfordert die Sinne und kann vor allem bei Kindern zu Lernproblemen führen. Das Gehirn ist mit der Verarbeitung der Geräusche beschäftigt, so dass keine Kapazität für andere Anforderungen vorhanden ist. Ruhestörungen, wie dauerhaft laute Nachbarn können also dazu führen, dass sich Kinder nicht ausreichend auf die Hausaufgaben konzentrieren können und Schwierigkeiten bekommen, dem geforderten Schulstoff gerecht zu werden.

• Schlafstörungen

Wer den ganzen Tag von Lärmbelästigungen überfordert wurde, kann am Abend nur schwer auf Erholungsmodus umschalten. Noch schlimmer sind nächtliche Ruhestörungen, welche die Tiefschlafphasen verhindern oder dafür sorgen, dass Sie erst gar nicht einschlafen können. Fehlt der Schlaf, ist der Körper tagsüber nicht ausgeruht und das Gehirn nicht leistungsfähig. Wiederholt sich das Problem regelmäßig, kann die Schlafstörung sogar chronisch werden.

Laute Nachbarn: eine Frau liegt schlaflos im Bett und schaut ihren Wecker an.
Fehlender Schlaf, der sich regelmäßig wiederholt, kann gesundheitliche Schäden hervorrufen.

• Gereiztheit und Nervosität

Die kleinste Provokation oder Herausforderung kostet Sie eine Menge Energie und bringt Sie an den Rand Ihrer Nerven? Wenn Sie schon einmal in einer stressigen Lebensphase pausenlos angespannt und gereizt waren, dann wissen Sie, wie nervenaufreibend dies sein kann. Doch auch Ihr Umfeld leidet unter einer solchen Stimmung, denn meist bekommen die Mitmenschen nervöse Launen ab und können damit nur schwer umgehen.

Strategien, um Ruhe in den Alltag zu bringen


Auch wenn sich so manche Ruhestörungen nicht gleich aus dem Weg räumen oder beenden lassen, können Sie aktiv werden. Laute Nachbarn sind vielleicht nicht immer einsichtig, aber dennoch können Sie handeln. Als Gegenmaßnahme helfen oft schon kleine Übungen und Veränderungen, um mehr Ruhe in den Alltag zu bringen. Sie können Ruhequellen schaffen, wo Sie Stille und Entspannung tanken, um im Gegenzug Lärmbelästigungen besser zu verarbeiten und dessen Auswirkungen entgegenzuwirken.


• Entspannung durch Yoga

Bei Entspannungs-Sportarten wie Yoga oder Pilates lernen Sie, sich auf Ihren eigenen Körper zu konzentrieren und Außenreize bewusst auszublenden. Durch langsame Bewegungen und Dehnung kommen Sie zur Ruhe und nehmen den eigenen Körper besser wahr – also eine gute Methode, um die innere Mitte zu finden und Ruhestörungen zukünftig gelassener entgegen zu stehen. 

Eine Frau sitzt im Wohnzimmer auf einer Sportmatte und dehnt sich (laute Nachbarn).
Yoga und Stretching sorgen für ein deutlich besseres Körperbewusstsein und wirkt gleichzeitig entspannend.

• Autogenes Training

Eine andere Methode der erlernten Entspannung stellt das autogene Training dar. Bei diesem Programm lernen Sie, sich bewusst auf sich selbst zu fokussieren und Entspannung aktiv herbei zu führen. Mit Hilfe von konzentrierten Körperübungen können Sie sich bei genügend Übung bald überall und jederzeit in einen entspannten Zustand versetzen. Lernen können Sie autogenes Training in Kursen oder mit Hilfe von CDs oder Videos.

• Eigenen Lärm vermeiden

„Laute Nachbarn“ – das sind nicht immer nur die anderen. Auch Sie selbst können für Ihre Umgebung zum Störfaktor werden. Für ein positives Miteinander ist es wichtig, dass niemand sich gegenseitig mit Lärm belästigt. Ansonsten kann ein ungesundes „Überbieten“ entstehen. Sie sollten also achtsam sein, welche Geräusche Sie selbst verursachen – für Ihre eigenen Ohren und im Sinne Ihres Umfelds.

• Elektrogeräte abschalten

Eine Ruhestörung, die sehr schnell ausgeblendet wird, sind leise aber konstante Geräusche. Es sind nicht immer laute Nachbarn mit Streitigkeiten oder Partys, sondern auch Ihr eigener Haushalt. Nur weil sich das eigene Gehirn daran gewöhnt, ist es aber noch lange nicht gesund. Schalten Sie also elektronische Geräte aus, wenn diese nicht aktiv benutzt werden. So vermeiden Sie das leiseste Summen, Brummen oder Vibrationen, die unbewusst Ihr Gehör belasten.

• Sport aus Ausgleich

Da eine Lärmbelästigung schnell Stress verursacht, muss dieser wieder abgebaut werden. Perfekt geeignet sind dafür sportliche Betätigungen, denn dadurch werden Fustrationen abgebaut und Verspannungen werden gelöst. Außerdem können Sie dadurch auch so mancher Geräuschquelle aus dem Weg gehen.

Eine Frau joggt in einem Waldstück bei Sonnenschein (laute Nachbarn).
Sportliche Aktivitäten helfen Ihnen dabei angestaute Frustrationen abzubauen und den Kopf frei zu bekommen.

• Ohren schützen

Nicht jede Ruhestörung kann bekämpft oder vermieden werden. Daher sind Gehörschutzstöpsel oder geräuschdämpfende Kopfhörer eine Wohltat für überlastete Ohren. Nichts spricht dagegen, sich selbst regelmäßig Ruhezeiten zu verpassen, indem das Gehör einfach in die Stille gezwungen wird. Sie sollten dann aber darauf verzichten, sich über die Kopfhörer mit lauter Musik berieseln zu lassen.

• Stille ertragen lernen

Oft ist Ihnen sicherlich nicht einmal bewusst, dass Sie sich selbst Lärmbelästigungen zumuten, weil Sie die Stille nicht ertragen können. Da Sie ständig von Geräuschen umgeben sind, fühlen Sie sich in Stille vielleicht geradezu beängstigend Ihren eigenen Gedanken ausgeliefert. Dennoch ist es aber sehr wichtig, die Stille aktiv aufzusuchen. Also lernen Sie wieder, sich ohne den alltäglichen Trubel überhaupt wohl zu fühlen!

Laute Nachbarn: eine junge Frau sitzt mit geschlossenen Augen auf einem Sofa.
Regelmäßige Pausen, in denen die Stille bewusst aufgesucht wird, sind für den eigenen Körper besonders wertvoll.

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